Markneukirchner Ringer begehrten in Gelenau auf
Taktische Raffinessen des AVG griffen schon beim Wiegen

Gelenau – Eigentlich kann man schon vor einem Zweitligakampf der Ringer vorhersagen, wer wohl gegen wen kämpfen wird und welche Chancen der betreffende Ringer dann hat. Das auch einiges dann anders kommen könnte, zeigt diese Saison, denn der AV Germania Markneukirchen schickte eine Mannschaft auf die Matte, die so keiner vorhersehen konnte und die es damit in sich hatte. Dennoch gab es auch liebsame- und unliebsame Überraschungen an diesem unterhaltsamen Kampfabend, den die Musikstädter im Sportareal Erzgebirgsblick mit 17:11 für sich entschieden.

Eigentlich schafft Roman Walter das leichteste Limit kaum noch, doch nach den Miseren der letzten Kampftage in den Gewichtsklassen 57 kg/FR und 61 kg/GR entschloss sich der Hofer zur einwöchigen ‚Hungerkur‘. Und die lohnte sich auch, denn nach nur 1:15 Minuten hatte Roman Walter seinen Gegner Martin Schneider mit 16:0 ausgepunktet und die ersten vier Zähler auf das Mannschaftskonto des AVG gepackt. War auch nötig, denn Marcin Olejniczak (130 kg/GR) ist ein ganzes Stück von seiner Vorjahresform entfernt, gegen den Tschechen David Vala verlor der Markneukirchner Gastringer mit 2:4 Punkten und gab damit überraschend 2 Mannschaftspunkte ab. Auch Radoslav Vasiliev verminderte ordentlich Gewicht, startete in der Kategorie bis 61 kg und führte gegen Gelenau’s Routinier Daniel Franke auch schon mit 9:0, doch dann die böse Überraschung, als er vom Erzgebirger mittels Kopfhüftwurf geschultert wurde.
Lukasz Dublinowski (98 kg/FR) kommt langsam in Fahrt, nach schwachem Saisonstart bezwang der Markneukirchner Neuzugang Gelenau’s Neuling Kamil Wojciechowski mit 2:2 Punkten, wobei er nur 8 Sekunden vor dem Schlussgong die beiden Siegpunkte holte.
Im letzten Duell vor der Pause schulterte Boycho Boychev (66 kg/FR) seinen Gegner Henry Hoffmann nach nur 20 Sekunden zum überraschend klaren 9:5 Halbzeitstand für Markneukirchen.

Marian Mihalik (86 kg/GR) erwies sich einmal mehr als Turm in der Schlacht, gegen Kevin Mehlhorn schaffte der Slowake einen 5:0-Punkterfolg und erhöhte den Mannschaftsstand auf 11:5. Doch auch Gelenau hatte noch Asse im Ärmel; WM-Teilnehmer Michal Nowak (66 kg/GR)  hatte zuletzt mit starken Kämpfen auf sich aufmerksam gemacht. Doch auch Heiko Holzapfel erwies sich als ‚Mattenfuchs‘, hatte den Tschechen nach einen Konter schon fest auf beide Schultern gedrückt, doch der Kampfrichter Kumrey (Sachsen-Anhalt) übersah diese Szene und ließ weiterkämpfen, nachdem sich Nowak aus der gefährlichen Lage befreit hatte. Mit dieser Aktion hatte Holzapfel natürlich den ‚Löwen‘ geweckt, der nun in seiner angestammten Stilart noch 14:4 gewann und Gelenau zu drei Mannschaftspunkten verhalf.
Andre Backhaus kehrte in die Mannschaft des AVG Markneukirchen zurück, die damit auch in den mittleren Gewichtsklassen für diesen wichtigen Kampf im Erzgebirge gehörig durcheinander gewirbelt wurde. Backhaus unterlag dem starken Polen Andrzej Sokalski mit 3:12 Punkten, verhinderte jedoch eine höhere Niederlage. Der RSK Gelenau glich mit diesem Erfolg zum 11:11 in der Mannschaftswertung vor den letzten beiden Kämpfen im Weltergewicht aus.
Doch auch hier hatte das Trainerteam Backhaus/Schubert eine Überraschung parat, Andrzej Grzelak (75 kg/FR) hatte ebenfalls sein Gewicht reduziert, um eine Kategorie tiefer als sonst starten zu können. Der Pole, der nach 5 Jahren schon zum Inventar des AVG gehört, schulterte Stefan Saul nach nicht einmal zwei Minuten Kampfzeit und sicherte damit schon einmal zumindest ein  Unentschieden. „Ich hatte von der Niederlage aus der Vorwoche sehr viel Wut im Bauch – wie man hier sagt – und wollte der Mannschaft gegen den RSK Gelenau unbedingt helfen“, so der sympathische Pole. Im letzten Kampf des Abends trat Sebastian Nehls (75 kg/GR) im ungeliebten griechisch-römischen Stil an, wo er auf Erik Engel traf. Nach verhaltenem Beginn legte der Markneukirchner Neuzugang richtig los und drehte einen 0:1-Rückstand in der Folge auf 5:1 und holte damit nicht nur zwei Siegpunkte auf das Mannschaftskonto, sondern auch den 17:11-Gesamterfolg für das Markneukirchner Zweitligateam.

„Uns ist nach den knappen Niederlagen gegen die beiden Spitzenteams Lübtheen und Aue erst einmal ein Stein vom Herzen gefallen, alle haben heute 100 % gebracht“, freute sich AVG-Trainer Andy Schubert über die Siegpunkte, die seine Mannschaft auf Rang 7 der Tabelle klettern ließen.

Jörg Richter

17:11 gewinnt der AV Germania den Auswärtskampf in Gelenau