17:2-Kantersieg des AVG im Vogtland-Derby

Markneukirchen – Das war er, der letzte Heimkampf des AV Germania Markneukirchen in der Saison 2015/2016 und es war noch einmal einiges los in der neuen Trainings- und Wettkampfarena an der Schützenstraße. Über 300 Zuschauer im rappelvollen Ringertempel sorgten vom ersten Kampf an für großartige Stimmung.

Und da sorgte Rene Roth gleich für eine faustdicke Überraschung, denn der Markneukirchner Papiergewichtler war bis zum Nachmittag in Schwitzanzug zwischen Markneukirchen und Erlbach-Landesgemeinde unterwegs und hatte dann auch mehrere Kilo auf das vorgeschriebene Gewichtslimit reduziert. 56,8 kg zeigte das Wiegegerät an und damit war der AVG erstmals seit dem Ausfall von Marc Nickel im leichtesten Limit kampffähig besetzt. Rene Roth machte auch gleich das Beste draus und bezwang den jungen WKG-Ringer Nils Buschner mit 7:1 Punkten. Lukasz Dublinowski (130 kg/FR) zog im schwersten Limit gegen den wendigen- und schnellen Dawid Peplowski nach, nur wenige Sekunden vor Kampfende verspielte der AVG-Ringer seinen komfortablen Vorsprung, gewann mit 6:4 Wertungspunkten zumindest einen Mannschaftspunkt hinzu.

Eine Überraschung schaffte auch Roman Walter (61 kg/FR), der gegen Adam Slowinski mit 8:7 Zählern gewann. Die Siegpunkte holte Walter nach dramatischen Kampfverlauf, 15 Sekunden vor dem Kampfende unter dem Jubel der Markneukirchner Fans.

Marcin Olejniczak (98 kg/GR) hatte mit WKG-Ringer Felix Kästner einen unbequemen Gegner. Der 2,04-Riese aus Pausa machte es dem Polen in Diensten des AVG anfangs sehr schwer, bis in Olejniczak in einem Abbrecher in die Brücke zwang. Kästner kämpfte sich aus der gefährlichen Lage heraus, Marcin Olejniczak siegte am Ende der sechsminütigen Kampfzeit mit 8:0. Auch das letzte Duell vor der Pause hatte es in sich, Radoslav Vasiliev (66 kg/GR) brillierte gegen Werner Schellenberg mit einem sehenswerten Ausheber und gewann gegen den sich tapfer wehrenden Plauener mit 6:0. Damit hatten die Hausherren alle Duelle vor der Pause für sich entschieden, führten nach 5- von 10 Kämpfen mit 9:0.

Schon während der Pause strömten viele Markneukirchner Fans wieder auf ihre Plätze, keiner wollte den letzten Heimauftritt von Andre Backhaus verpassen, der schon vor Kampfbeginn vom AVG-Vorsitzenden Jens Berndt gemeinsam mit Heiko Holzapfel und Björn Hauck verabschiedet wurde. Doch mit Zalik Sultanov hatte Backhaus einen passiv wirkenden Gegner, der alle Angriffe geschickt abwehrte und stark konterte. Backhaus unterlag mit 4:7 Wertungspunkten, dennoch skandierten die Fans dem Ringer-Idol und zeigten ein Spruchband, auf dem sie sich für viele Jahre aufopferungsvollen Kampf bei Andre Backhaus bedankten.

Auch Boycho Boychev (66 kg/FR) tat sich gegen den starken polnischen Neuzugang der WKG Pausa/Plauen Eryk Maj sehr schwer, beim Stand von 7:7 gelang dem Bulgaren in Diensten des AVG 2 Sekunden (!) vor Kampfende die entscheidende Zweierwertung zum 9:7-Endstand, der einen weiteren Punkt für den AVG brachte.

Im Mittelgewicht (86 kg/GR) standen sich mit Francis Weinhold und Maximilien Schwabe zwei Ringer gegenüber, die beim KSV Pausa das Ringer-A-B-C erlernt hatten. Weinhold war vor einigen Jahren nach Markneukirchen gewechselt um möglichst viele Kämpfe bestreiten zu können, in die er sich mit Schwabe bei der WKG Pausa/Plauen hätte hineinteilen müssen. Weinhold überraschte Schwabe in der ersten Kampfminute mit zwei blitzschnellen Schulterwürfen und führte damit gleich 8:0. Schwabe spielte in der Folge seine physische Stärke aus und schob Weinhold eins- ums andere Mal von der Kampffläche, doch Weinhold agierte clever und ließ auch im Bodenkampf keine Wertung des DRB-Auswahlringers zu. Weinhold gewann mit 11:6 Wertungspunkten, was den WKG-Ringern den Nerv endgültig zog. Das motivierte auch AVG-Weltergewichtler Filip Dubski (75 kg/GR), der gegen seinen Landsmann Karel Hanak seinen wohl besten Kampf der Saison machte, den er mit 2:1 Wertungspunkten gewann.

Nicht viel Mühe hatte Andrzej Grzelak (75 kg/FR), der im letzten Duell des Abends dem WKG-Eigengewächs Andre Becher gegenüber stand. Nach knapp 2 Minuten Kampfzeit hatte Grzelak, der im Saisonverlauf viele Kämpfe für Markneukirchen aus dem Feuer gerissen hatte, 15:0 Punkte zum Abbruchsieg durch technische Überlegenheit gesammelt. Damit schraubte Andre Grzelak den Endstand auf 17:2. Wohl eher für die gesamte Saisonleistung wurde Grzelak vom Sponsor Buffet Group als ‚Ringer of the Day‘ geehrt. Einen extra Präsentkorb bekam Rene Roth vom Verein für seinen Einsatz, mit dem er sich die gesamte Saison über in den Dienst der Mannschaft gestellt hatte.

„Gut das ich heute nicht den Ringer des Tages aussuchen musste, für mich waren das heute alle meine 10 Akteure auf der Matte und die Fans dazu“, so ein rundherum glücklicher AVG-Trainer Andy Schubert.

Jörg Richter

Tränen zum Abschied

Andre Backhaus hat viele große Kämpfe bestritten, war Weltmeister, Europameister und 5 x Deutscher Meister. Die letzten 20 Jahre stand der letzte, große Ringerdino des Deutschen Ringer- Bundes in Diensten des AVG Markneukirchen, half 2005 mit den Verein neu aufzubauen. Selbst in der laufenden Saison schien Andre Backhaus unbezwingbar, schickte selbst den starken Polen Adam Sobieraj (Greiz) in der Hinrunde mit einer Niederlage von der Matte. Doch nun soll endgültig Schluss sein.

Zum Abschied schenkte der Vereinsvorsitzende Jens Berndt dem Routinier einen Hammer, mit dem er den berühmten Nagel in die Wand schlagen kann, an dem er seine Ringerstiefel hängen kann – aber auch eine Zange, mit der er den Nagel eventuell auch noch einmal entfernen kann, wenn beim AVG Not am Mann sein sollte.

Als er sich am Samstag von den Fans verabschiedete standen vielen seiner Weggefährten, Freunden, den Trainern und auch ihm selbst die Tränen in den Augen. Das er sich nicht mit einem Sieg von der heimischen Kulisse verabschieden konnte, schien keinen in der Arena zu stören.

Die Fans hielten ein Spruchband empor und bedankten sich für viele Jahre aufopferungsvollen Kampf im Dienst des AVG, dazu wurde der Titel der Band Juli eingespielt, der wie die Faust aufs Auge passte: ‚Geile Zeit‘.

Andre Backhaus benötigte einige Sekunden, nachdem er das Mikro in die Hand genommen hatte, um die Tränen etwas zu unterdrücken, dann bedankte er sich bei den Fans, die dann mit ‚Backe, Backe‘ skandierten. „Er hat viel für den AVG getan und wird uns nun als Trainer und Funktionär weiter unterstützen“, so der Vorsitzende Jens Berndt.

Auch Ehefrau Anja atmet auf, „… auch wenn er es nicht gerne zu gibt, die Knochen taten nach den Kämpfen schon weh“, brachte sie jedoch vollstes Verständniss für das Engagement ihres Ringers auf.

Jörg Richter

Das Vogtlandderby gewinnt der AV Germania Markneukirchen überraschend klar mit 17:2 gegen WKG Pausa/Plauen