Ringen / Regionalliga Mitteldeutschland – Finale

Greiz nach dem Hinkampf mit 16:13 in Front / Markneukirchen in Lauerposition

Greiz – „Dieser Final-Hinkampf hat gehalten, was er versprochen hat, spannende Kämpfe und eine einzigartige Ringerkulisse“, ließ Markneukirchens Trainer Andre Backhaus bei der öffentlichen Pressekonferenz, nach der Begegnung zwischen dem RSV Rotation Greiz und dem AV Germania Markneukirchen seinen Emotionen freien Lauf, beim Endstand von 16:13 für Greiz ist für den Rückkampf in Markneukirchen noch alles offen.

Gleich der erste Kampf hatte es in sich 19:19 stand es am Ende zwischen dem RSV-Papiergewichtler Sven Cammin (57 kg/FR) und Valerij Borgoiakov. Viele Aktionen, viele Techniken, wobei dem Greizer ein Wurf mehr als dem AVG-Ringer gelang, was am Ende den Ausschlag für den knappen Sieg gab. „Ich habe da einige Wertungen anders gesehen, danach hätte Valierij den Kampf gewonnen“, sollte es nicht die Einzige Kritik von Andy Schubert an den Unparteiischen Ronald Hartenstein (Leipzig) bleiben, der einen Kampf später AVG-Schwergewichtler Franz Richter für den Versuch einer Standtechnik, 10 Sekunden vor Kampfende eine Verwarnung für einen Schlag auf den Rücken des Gegners vergab. „Die Technik gegen einen passiv eingestellten Gegner geht gar nicht anders“, sah Andy Schubert auch hier kein Foul des AVG-Schwergewichtlers. Die zwei Verwarnungspunkte brachten allerdings einen Mannschaftspunkt mehr auf das Konto der Greizer. Franz Richter konnte im Bodenkampf eine Kopfklammer des RSV-Ringers Lukasz Konera nicht verhindern, versuchte im Schlussspurt alles um den knappen 2:3-Rückstand noch aufzuholen und wurde vom Kampfrichter für seine Offensive bestraft, während sich Konera von den Greizer Fans feiern ließ.
Roman Walter (61 kg) musste ebenso wie Borgoiakov in der jeweils ungewohnten, anderen Stilart kämpfen, doch das Walter auch im griechisch-römischen Stil mit seinen Bodentechniken auftrumpfen kann, hat er schon oft bewiesen. Gegen den jungen Greizer Dustin Nürnberger spielte er seine Stärken im Bodenkampf aus und gewann 16:0 durch technische Überlegenheit.
Schwer tat sich Lukasz Dublinowski (98 kg/FR) gegen das Greizer Eigengewächs Sebastian Wendel, am Ende stand ein 4:0 für den AVG-Ringer, was Markneukirchen zwei Mannschaftspunkte einbrachte. Im letzten Kampf vor der Pause standen sich mit Abdul Galamatov (66 kg/FR) und Justin Müller zwei junge Talente gegenüber. Auch in diesem, an Spannung kaum zu übertreffenden Duell sprang der Funke schnell von der Matte auf das Publikum über. So hatte der Greizer Galamatov seine Chance, Müller mit einem blitzschnellen Wurf zu schultern, während der AVG-Kämpfer seinen Greizer Kontrahenten mit einer Einsteigertechnik fast auf beiden Schultern hatte, was vom Kampfrichter unterbunden wurde, weil dieser einen Griff des Markneukirchners zum Hals des Kontrahenten gesehen haben wollte. Mit 14:6 Punkten sicherte Justin Müller drei Mannschaftspunkte für den AVG, der in der Höhle des Löwen, in der Sporthalle an der Eisbahn in Greiz, zur Pause mit 9:3 in Führung ging.

10 Kilo brachte Thomas Leffler (86 kg/GR) mehr auf die Waage, der Markneukirchens Tim Bitterling von Beginn an unter Druck setzte und im Bodenkampf punktete. 8:0 zeigte die Punkttafel am Ende für den Greizer an, der damit drei Mannschaftspunkte für den RSV Rotation sicherte. Sicherlich hätte sich Bitterling über die eine-, oder andere Passivitätsverwarnung mehr nicht beschweren dürfen, was diesmal das Greizer Publikum lautstark monierte. Mit Brian Tewes (71 kg/GR) und Lucas Bast standen sich zwei Griechisch-Römisch-Spezialisten aus dem Bundes-Stützpunkt Frankfurt(O.) gegenüber und man erkannte schnell, dass sie sich vom täglichen Training her genau kannten. Tewes übernahm mit einem Wurf die Führung, den Griff zum Bein des Markneukirchners übersah der Unparteiische dabei. Dennoch geht der Sieg des Greizers in Ordnung, der zum Ende des Kampfes hin immer stärker wurde.
Der dreifache Deutsche Meister Martin Obst (80 kg/FR) wurde kampflos zum Sieger gekürt, Markneukirchens Johann Steinforth ist noch angeschlagen, AVG-Trainer Andre Backhaus hofft auf einen Einsatz des Magdeburgers am kommenden Wochenende vor heimischer Kulisse.
Mit Vladimir Gotisan (75 kg/FR) hatte das Greizer Trainergespann ein weiteres Ass im Ärmel, das gegen Denny Latzke auch stach. Der Moldawier schulterte Latzke nach einem Beinangriff nach nur 1:36 Minuten. Damit lag Greiz vor dem letzten Kampf mit 16:9 in Führung. Doch auch das Markneukirchner Trainergespann Andre Backhaus/Andy Schubert schickte mit Serjan Simonyan (75 kg/GR) noch einmal einen Erstligaerfahrenen Ringer auf die Matte, der Toni Stade mit Bodentechniken zum 16:0 nach 5:14 Minuten ausgepunktet hatte. Aufregung kurz vor Kampfende, als sich Kampfrichter Ronald Hartenstein (Leipzig) mit einigen Verwarnungen den Zorn der weit über 800 Zuschauer auf sich zog und und an RSV-Trainer Tino Hempel die gelbe Karte wegen unerlaubten Betretens der Matte vergab. 16:13, so der Endstand, beide Teams ließen sich von ihrem Anhang feiern.
„Ich kann mich mit einigen Regelauslegungen vom Kampfrichter Hartenstein einfach nicht anfreunden, nach meiner Rechnung wäre es gar ein Unentschieden gewesen, dennoch ist für den Rückkampf in einer Woche in Markneukirchen alles offen, wir haben mit einer bravourösen Mannschaftsleistung die Chancen auf den Titelgewinn gewahrt“, so Andre Backhaus optimistisch, den Gesamtsieg vor heimischer Kulisse in Markneukirchen mit seinem Team noch aus dem Feuer reisen zu können.

Aufstieg oder nicht

Natürlich stand nach dem Hinrundenduell für beide Teams auch die Frage nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga, nachdem die 2. Bundesliga nicht wieder eingeführt wurde, sondern alles bei der diesjährigen Struktur bleibt. „Wir entscheiden im Vorstand am 22.12. ob wir in der Regionalliga bleiben, oder aufsteigen“, setzt Tino Hempel die ‚Deathline‘ für den RSV Rotation, während Markneukirchens Andre Backhaus durchblicken ließ, dass auch Markneukirchen nicht unbedingt in die höchste Kampfklasse eintauchen möchte. Vereinschef Jens Bernd relativierte: „… auch bei uns ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen“.

Noch immer gibt es unterschiedliche Standpunkte zwischen den Verantwortlichen des Deutschen Ringer- Bundes und der Zweckgemeinschaft Ringen in Mitteldeutschland. Während der DRB eine Aufstiegspflicht von gleich zwei Mannschaften aus der Regionalliga Mitteldeutschland in seiner Wettkampfordnung verankert hat, sieht der Präsident der Zweckgemeinschaft Dr. Joachim Kühn angesichts von nur zwei Ebenen unter der höchsten Kampfklasse nur ein Aufstiegsrecht, dass Mannschaften auf Grund personeller-, oder finanzieller Engpässe auch ausschlagen können.

Viele Spitzenteams der Regionalligen in Deutschland, die nunmehr als zweithöchste Kampfklasse gelten, hatten sich die erneute Bildung einer 2. Bundesliga gewünscht, die allerdings erst in der Saison 2019/2020 kommen könnte. „In Mitteldeutschland gibt es nur die Regionalliga und darunter die Landesliga, während es in anderen Regionen bis zu 6 Ebenen unter der höchsten Kampfklasse gibt“, würde der Zwangsaufstieg für Joachim Kühn, aber auch aus Sicht der Landesorganisationen Thüringens, Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, Berlins und Sachsens ein Ausbluten der sehr kleinen Basis in der Region bedeuten. Während in der Regionalliga Mitteldeutschland mit größten Kampfeifer um den Staffelsieg gerungen wird, gab es in anderen Ligen, in denen Aufstiegspflicht herrscht, merkwürdige Ergebnisse von Spitzenmannschaften, die finanziell und personell sicherlich besser aufgestellt sind als die Mannschaften im Nordosten des Landes, aber ebenfalls einen Aufstieg von der regionalen Klasse in die höchste Liga scheuen.

Letztendlich wurde auch noch kein Urteil über die Forderung des DRB für die letztjährige ‚Nichtmeldung‘ von 5 Zweitligateams aus der Nordoststaffel für die neu geschaffene DRB-Bundesliga gesprochen. DRB-Präsident Manfred Werner sieht in der ‚Nichtmeldung‘ von Greiz, Markneukirchen, Leipzig, Thalheim und Artern einen Rückzug, der die Vereine bis zu 4000 Euro Strafgebühr kosten würde. Die Vorstände der 5 Teams sehen indes keinen Rückzug, da die 1.- und 2. Bundesliga zur neuen, höchsten Kampfklasse zusammengezogen wurden und die Meldung für die neue-, höchste Kampfklasse-, also der 1. Bundesliga gegolten hätte.

jr

Einzelprotokoll:
RSV Rot. Greiz – AVG Markneukirchen 16:13
57 kg/F: Cammin – Borgoiakov 1:0, 61 kg/G: Nürnberger – Walter 0:4, 66 kg/F: A. Galamatov – Müller 0:3, 71 kg/G: Tewes – Bast 2:0, 75 kg/F: Gotisan – Latzke 4:0, 75 kg/G: Stade – Simonyan 0:4, 80 kg/F: Obst – Markneukirchen unbesetzt 4:0, 86 kg/G: Leffler – Bitterling 3:0, 98 kg/F: Wendel – Dublinowski 0:2, 130 kg/G: Konera – Richter 2:0. Zuschauer: 850.

jr

Spannendes erstes Finale geht mit 16:13 an RSV Rotation Greiz